Gottesdienste


So schmeckt Zuhause

Es war weit weg von hier, zu einer ganz anderen Zeit.

Rumänien, November 1982. Mangeljahre. Ein Anruf für meine Oma. Ihre Schwes­ter aus Deutschland ist dran. „Ich hab dir einen Dresdner Stollen geschickt. Mit der Post." Man musste aufpassen, was man am Telefon sagte. „Danke. Ich freu mich." Das tat die Oma wirklich. Denn Dresdne Stollen, das bedeutete für sie Zuhause. In Leipzig, der Stadt ihrer Kindheit, war er an Weihnachten noch wichtiger als Weihnachtsbaum und Glockengeläute. Ein paaarmal hatte sie versucht, ihn nachzu backen - aber er schmeckte nie richtig.

An Weihnachten rief ihre Schwester wieder an. Nein, der Stollen war nicht da. Nachdem der Hörer aufgelegt war, meinte Oma: „Der kommt nie an."

Im Januar kam er nicht, Im März auch nicht. Im Aprii: ein Paket ist da. Das bedeu­tete: Schlange stehen, aufwändige Zollformalitäten voller Schikanen. Aber dann war er wirklich da. Die ganze Familie stand um das zerdrückte Paket, das auf dem Küchentisch wie auf einemn Altar lag. Oma öffnete mit zittrigen Händen, was kurz davor Zöllner grob aufgerissen und durchwühlt hatten. Die weihnachtlichen Papierservietten wirkten jetzt, nachdem wir schon Ostern gefeiert hatten, seltsam deplaziert. Und sie waren auch lange nicht mehr an ihren ursprünglichen Platz. Dazwischen, darüber und darunter: Krümel. Man ahnte, dass auch Puderzucker einmal dabei gewesen war.

Meine Oma griff vorsichtig einen der harten Krümel heraus, schloss die Augen, schmeckte. Und nach einer langen Sekunde sagte sie: „Es ist der richtige."

Diesen Moment werde ich nie vergessen. Über 70 Jahre und drei unüberwindbare Grenzen hinweg war sie durch einen unscheinbaren Krümel zu dem Kind gewor­den, das zuhause ist. Es war Weihnachten und draußen blühten die Tulpen.

 

An Weihnachten feiern wir die Geburt des Gotteskindes. Der Stollen soll durch sei­ne Form an das gewickelte Christkind erinnern. Es kommt zu uns. Wirklich. Sicher. An Weihnachten und an jedem Tag. Manchmal entstellt durch das Leid dieser Welt. Aber es ist das richtige. Macht uns zu Kindern, die zuhause sind.

Zu Gotteskindern. Immer.

Eine Adventzeit voller Vorfreude, gesegnete Weihnachtszeit und gut Übergänge im neuen Jahr 2020 wünscht

 

Ihr Pfarrer


Die Jahreslosung für 2018:


Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6


Besondere gottesdienstE

z.B. Regionalgottesdienst an Pfingsten in der Ruine Niederhaus / Fotos Fritz Steinmeier und Eigene